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Neue Brücken

Krisenzeiten zeichnen sich dadurch aus, dass gewohnte Routinen und Handlungsmuster nicht mehr tragfähig sind. All das führt nicht mehr weiter. Was hilft in solchen umwälzenden Situationen, die wir gerade nicht nur kirchlich, sondern viele von uns auch persönlich erleben?

Krisenzeiten zeichnen sich dadurch aus, dass gewohnte Routinen und Handlungsmuster nicht mehr tragfähig sind. All das führt nicht mehr weiter.

Krisen gehen oft einher mit Wirbelstürmen, die ganze Landschaften plötzlich verändern. Flüsse bahnen sich neue Wege und Brücken, die vorher über sie geführt haben, stehen plötzlich „alleine“ da und führen nicht mehr ans andere Ufer. Dieses Bild, mit dem Prof. Dr. Tobias Faix bei unserer Veranstaltung „Wenn nichts mehr wird, wie es war“ die Situation von Kirche vor Augen geführt hat, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Nichts wird wieder normal, aber genau darin liegt die Chance für die Kirche, so Faix. Aber auch für vieles andere in unserer Gesellschaft, so möchte ich hinzufügen.

Corona hat es uns deutlich vor Augen geführt, was die Verantwortlichen in der Kirche schon lange erfahren: Kirchliche Routinen und Handlungsmuster tragen nicht mehr, sie führen häufig nicht mehr zu den Menschen, die am gegenüberliegenden Ufer stehen. Die Antworten passen nicht mehr zu den Fragen der Menschen, die durch den Sturm der Veränderung fundamental andere geworden sind. Haben die Haupt- und Ehrenamtlichen in der Kirche in den letzten Jahren vielleicht zu viel Zeit damit verbracht, Brücken zu festigen, Brücken zu verschönern, die nun zwar gut begehbar sind, aber ins Nichts laufen?

Was hilft in solchen umwälzenden Situationen, die wir gerade nicht nur kirchlich, sondern viele von uns auch persönlich erleben, weiter? Neben einer ehrlichen Zustandsbeschreibung des Sturms, dem wir uns alle gerade auf verschiedene Weise stellen müssen, braucht es den Blick nach vorne, den Blick auf mögliche Lösungsansätze. Dazu ist es wichtig, sich zu fragen: Welche Zukunft stelle ich mir vor? Welcher Sehnsucht möchte ich folgen? Es gilt also den Blick weg vom Problem hin zur Lösung zu richten. Dabei hilft es mehr auf die eigenen Ressourcen zu schauen, anstatt sich von dem blockieren zu lassen, was im Moment nicht möglich ist. Wie das gelingen kann und wie Sie das persönlich einüben können, finden Sie hier.

Ist das vielleicht auch ein derzeitiges kirchliches Problem? Wir richten den Blick, so wichtig die Analyse ist, zu sehr auf das Problem, anstatt kreativ neue Ideen zu entwickeln und mutig Schritte nach vorne zu gehen. Maria 2.0 hat es uns in diesen Tagen vorgemacht. Anstatt Kraft in den immer selben theologischen und kirchenpolitischen Diskussionen zu lassen, stecken sie ihre Energie in einen starken öffentlichen Auftritt mit ihren Thesen für eine gerechte, partizipative, glaubwürdige, bunte, lebensnahe, verantwortungsvolle und relevante Kirche. Vielleicht ist jetzt mehr denn je die Zeit zum entschlossenen Beschreiten neuer Wege, zum Eröffnen von Experimentierräumen, auch wenn sie riskant sind. Hat doch alles seine Zeit, wie die Bibel es ausdrückt.

Zukunft wagen
Den Blick verändern
Neues in den Blick nehmen
Der Sehnsucht folgen
Sich Herausforderungen stellen
Neue Wege wagen
In eine Zukunft von morgen

CLAUDIA PFRANG
 

Ich möchte am Ende erneut das Bild von der Brücke, die fremd in der Landschaft steht und über keinen Fluss mehr führt, fragend aufgreifen. Welche Brücken braucht es heute, um die Sehnsucht der Menschen nach dem Mehr zu stillen? Wie kann Kirche, wie Jesus es gezeigt hat, offen und fragend auf die Menschen zugehen? Auch wir als Bildungseinrichtung sind hier gefragt. Wie können wir neu empfindsam werden für ihre Sorgen und Nöte? Hier gibt es kein Patentrezept und die Wege werden unterschiedlich sein müssen, wie auch die Menschen unterschiedlich sind. Was aber nach jedem Sturm hilft, ist die Entschlossenheit neu anzufangen.

Für eine gelingende Zukunft braucht es aber noch mehr: die Offenheit, Neues zu denken, kreative Wege zuzulassen und zu wagen, aber auch Fehler machen zu dürfen, denn nicht alle Wege werden zum Ziel führen. Das gilt nicht nur für die Kirche, sondern auch für unsere Gesellschaft. Nur so finden wir Antworten auf die Fragen der Zukunft von morgen.

Möge die Fastenzeit ein erster Schritt sein, nach neuen Lösungen zu suchen und damit mehr Zukunft zu wagen.

Ihre Claudia Pfrang