Was ist Glaube als Lebenskraft und woher kommt sie? Direktorin Dr. Claudia Pfrang spürt der inneren Verankerung und dem Vertrauen auf Gottes Stärke und Stärkung nach. Dabei stellt sie fest, es sind vor allem die kleinen Dinge wie die Verbundenheit mit dem eigenen Leben und mit anderen Menschen, aus denen wir Kraft fürs Leben schöpfen können.
Leben kostet Kraft, und nichts wünschen wir uns sehnlicher, als unser Leben in allen Lebenslagen nach vorne hin leben zu können. Zugleich kommen mir, wenn ich an Kraft denke, ganz andere Bilder in den Sinn: Männer, die versuchen, mit der Kraft von Waffen oder ökonomischer Macht eigene Interessen durchzusetzen und mit Härte ihre eigenen Ziele rücksichtslos zu verfolgen. Worte, die nur so vor Kraftausdrücken strotzen, wenig aufbauend sind und schon gar nicht ermutigend. Doch ich kenne auch die Kraft der Faszination, der Faszination von Menschen, die authentisch leben, die für andere Quelle der Inspiration und des Mutes sind gerade in Zeiten, in denen der Weg im Leben steinig ist. Menschen, an denen man ablesen kann, wie Leben gelingen und das Leben der anderen befördern kann.
Die jeden Frühling zum Leben erwachende Natur zeigt uns, wie der Aufbruch von neuem Leben geschieht: eher leise und sanft; der kleine Keimling, der sich vom Dunkel ins Licht wagt, der sich kraftvoll durch die Erde schiebt und allen Verkrustungen trotzt. Es steckt so viel Kraft im Kleinen!
Die Erfahrung des Propheten Elija zeigt: Gott kommt nicht mit lautem Getöse daher, sondern im sanften Säuseln. Er ruft den Menschen aus der Menge heraus, wie er auch Samuel ruft, der zuerst Gottes Stimme nicht erkennt. Es ist Eli, der ihm hilft, diesen Ruf zu erkennen, und erst dadurch wird Samuel zum Propheten.
Gott gibt mir Kraft und macht den Weg sicher, sagt der Psalmist (Ps 18,33) und gibt sogleich an, dass der Glaube als Lebenskraft sich der Verankerung in Gott verdankt. Darin liegt die eigentliche Stärke, nicht im eigenen machtvollen Auftreten und markigen Worten. Wie sich an Paulus zeigt, der sich sogar seiner Schwäche rühmt, weil sie dazu führt, auf Gottes Stärke und Stärkung zu vertrauen. An vielen anderen „Glaubensheld:innen“ lässt sich ablesen, dass es dieses Vertrauen auf und in Gott ist, das Kraft gibt, in aussichtslosen Situationen den Lebensmut nicht zu verlieren.
Unsere so aufreibende Zeit braucht Menschen, die aus der Kraft von innen, aus einer tiefen Verankerung leben und Gesellschaft gestalten. Wir möchten mit unserem Saisonthema „Lebenskraft Glaube. Was uns stärkt, verbindet und antreibt“ anregen, darüber nachzudenken, wo unsere Ressourcen liegen, in eher trostlosen Zeiten die Hoffnung nicht zu verlieren.
Dazu kann der Glaube eine wesentliche Lebenskraft sein – sicher nicht die einzige, aber für Christ:innen eine besonders wichtige. Sich verbunden zu wissen mit Menschen, die versuchen, dem Leben das Beste abzutrotzen, Menschen, die verbinden und sich verbunden wissen, und sich auf die Suche machen nach dem, was unsere Seele nährt: Das wollen unsere Angebote in diesem Sommer.
Kennen Sie „ruach.jetzt“, „das Bodenpersonal“ oder „@faithpwr“? Gemeinsam ist ihnen: Sie bringen Menschen zusammen und den Glauben ins Heute. Sie vernetzen analog und digital christliche Content-Creator:innen, die Glaube und Welt kreativ zusammenbringen, ob über Instagram oder in Podcasts. Mich beeindruckt immer wieder, die Freude, Klarheit und Offenheit, wie sie über Gott und die Welt mit Tiefgang sprechen. Dabei wagen sie neue Wege.
Neue Wege bin ich in der Kar- und Osterwoche selbst gegangen und habe die Kraft des Unterwegsseins auf dem Caminho Português von Porto nach Santiago de Compostela gespürt. Aufzubrechen und zu erfahren, dass man den Weg gehen kann. Gemeinsam unterwegs sein und im Gespräch über Gott und die Welt mehr über ihn und sich zu erfahren. Es war eine bis heute anhaltende Erfahrung, wie das Gehen hilft, den oben aufliegenden Lebensfragen buchstäblich nachzugehen und neue Einblicke zu gewinnen. Dem Leben mehr schöne Momente hinzuzufügen – ist zu einem nachklingenden Impuls geworden.
Dem eigenen Leben nachgehen und sich selbst reflektieren, dazu möchten wir Sie mit dem ganz besonderen spirituellen Angebot Surf&Soul anregen. Es verbindet Körper, Seele und Geist. Das, was praktisch und körperlich beim Surf-Kurs erfahren wird, wird in Bezug zum eigenen Leben gesetzt und reflektiert: Wie finde ich Balance? Woran kann ich mich orientieren? Welche Ziele steuere ich an? Was motiviert, was frustriert mich? Wie gehe ich mit Gegenwind um?
Bei allem Positiven müssen wir uns aber auch mit der Ambivalenz und Vielschichtigkeit von Kraft in der Kirche auseinandersetzen. Denn auch im Raum der Kirche gibt es Macht, die Lebenskraft anderer unterdrückt oder gar zerstört.
Ich wünsche Ihnen inspirierende Begegnungen mit Menschen, die Sie aufbauen und Ihnen Kraft geben – gerne bei einem unserer Angebote zum Saisonthema. Und immer wieder die Kraft, um sich in den Wind zu stellen, Zeit und innere Einkehr, um Rückenwind zu spüren oder um sich einfach mal treiben und die Seele baumeln zu lassen...
Ihre Claudia Pfrang